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„Thermische Sanierung ist kein Geheimtipp, sondern eine Notwendigkeit“
Perg/Wels, März 2026. Beim Pressegespräch auf der Energiesparmesse Wels sprach Franz Wastlbauer über Energieeffizienz und die Folgen des Förderstopps. Im Zentrum standen die geänderten Förderbedingungen der Sanierungsoffensive 2026 und deren Auswirkungen auf die thermische Sanierung.
„Thermische Sanierung ist kein Geheimtipp, sondern eine Notwendigkeit“ , sagt Franz Wastlbauer. Als Market Manager der SynthesaGruppe und Vorstandsmitglied der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme diskutierte er mit Vertretern aus Bau, Heizung, Klimatechnik und Fertighausbranche über Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und die aktuellen Entwicklungen in der Förderpolitik.
Mit Blick auf die Änderungen in der Sanierungsoffensive formulierte Wastlbauer eine klare fachliche Einschätzung: „Wenn unser Ziel ist, CO₂ einzusparen, dann funktioniert das nur mit einem Sanierungsfahrplan, der Maßnahmen für das beste Ergebnis aufeinander abstimmt. Wir müssen zuerst Verluste minimieren und daraufhin Maßnahmen optimieren. Das ist Energieeffizienz.“
(Bildquelle: Messe Wels - Roland Pelzl)
Förderstopp und seine Folgen
Seit 2. Februar 2026 sind neue Registrierungen und Förderanträge im Rahmen der Sanierungsoffensive nur mehr für den Kesseltausch möglich. Die Förderung für thermisch-energetische Sanierung wurde gestoppt. Genau darin liegt aus Sicht vieler Branchenvertreter eine zentrale Herausforderung: Ohne Sanierung der Gebäudehülle bleibt der Energiebedarf hoch, neue Heizsysteme können ihr Potenzial nur eingeschränkt entfalten.
„Wer ausschließlich die Technik tauscht, ohne zuvor die Verluste im Gebäude zu reduzieren, greift technisch, wirtschaftlich und klimapolitisch zu kurz“, so Wastlbauer. Thermische Sanierung und Heiztechnik seien dabei keine Gegensätze, sondern entfalten ihre Wirkung erst im Zusammenspiel: „Eine verbesserte Gebäudehülle reduziert dauerhaft den Energiebedarf, ermöglicht effizientere Heiz- und Kühlsysteme, verbessert den Wohnkomfort und erhöht gleichzeitig die Versorgungssicherheit.“
Besonders kritisch sei die aktuelle Situation für Kommunen: Gerade dort fehlen oft die finanziellen Mittel, gleichzeitig liegt hier ein großer Teil des Sanierungspotenzials. Schulen, Kindergärten, Sportstätten und Rathäuser zählen zu den energieintensivsten Gebäuden und müssen dringend energetisch im Sinne des Klimaschutzes ebenso wie zur langfristigen Entlastung der Gemeindebudgets und als sichtbares Vorbild für die Bevölkerung modernisiert werden. Ein Fördersystem, das Kommunen gezielt unterstützt, setze daher ein wichtiges Signal und eröffne sanierungswilligen Gemeinden konkrete Handlungsoptionen.
(Bildquelle: Messe Wels - Roland Pelzl)
„Energieeffizienz und wirtschaftliche Wirkung zusammendenken“
Die oft zitierte Formel „Kein Heizkesseltausch ohne Dämmung“ bringt den Zusammenhang auf den Punkt: Erst wenn Verluste minimiert werden, lassen sich weitere Maßnahmen sinnvoll optimieren. Energieeffizienz entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch das abgestimmte Zusammenspiel von Gebäudehülle und Technik. Dämmung ist dabei weit mehr als eine bauliche Maßnahme, denn sie senkt den Heizbedarf, schützt vor sommerlicher Überhitzung und schafft die Grundlage für effizient arbeitende Systeme.
Gleichzeitig zeigt sich die enorme wirtschaftliche Hebelwirkung der thermischen Sanierung. Jeder Euro an Förderung bringt laut einer Studie der JKU Linz (Prof. Schneider/Reindl) rund zwei Euro an Steuern und Abgaben zurück. In den Jahren 2023 und 2024 führten 776 Millionen Euro an Fördermitteln zu rund 1,58 Milliarden Euro an Rückflüssen, während gleichzeitig rund 16.800 Arbeitsplätze pro Jahr gesichert oder geschaffen wurden. Mit einem jährlichen Sanierungsvolumen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro ist die thermische Gebäudesanierung zudem ein zentraler Stabilitätsfaktor für Bauwirtschaft und Handwerk – gerade in einer Phase, in der der Neubau unter Druck steht.
Klimaziele, Versorgungssicherheit und langfristige Perspektiven
Aktuell liegt die Sanierungsquote in Österreich bei rund 1 %, notwendig wären jedoch etwa 3 %, um die Klimaziele und die Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Einseitige Fördermodelle erschweren diese Entwicklung zusätzlich, da sie Investitionen bremsen und Planungssicherheit reduzieren.
Gleichzeitig zeigt sich: Thermische Sanierung ist weit mehr als Klimaschutz. Gut gedämmte Gebäude halten Wärme deutlich länger, während unsanierte Gebäude innerhalb kurzer Zeit auskühlen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Resilienz von Gebäuden in Zeiten zunehmender Unsicherheiten im Energiesystem.
Viele Stimmen aus der Branche plädieren daher für einen ganzheitlichen Ansatz: nicht Einzelmaßnahmen, sondern ein abgestimmter Sanierungsfahrplan. Denn nur wenn Fördermodelle langfristig planbar sind und Maßnahmen sinnvoll ineinandergreifen, können Investitionen ausgelöst und Gebäude Schritt für Schritt klimafit gemacht werden.
(Bildquelle: Messe Wels - Roland Pelzl)
Am Podium des Pressegesprächs unter der Moderation von Dr. Elisabeth Berger, Geschäftsführung VÖK, diskutierten:
Dir. Mag. Robert Schneider, Geschäftsführer Messe Wels GmbH
Mag. (FH) Helmut Weinwurm, Vorsitzender der VÖK, CEO Robert Bosch AG
Ing. Franz Wastlbauer, Vorstandsmitglied der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme
Ing. Anton Berger, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker
Alexander Sollböck, Obmann Verband der Installations-Zulieferindustrie (VIZ)
Mag. Christian Murhammer, MAS, Geschäftsführung Fertighausverband