Pressemitteilungen 2014

« Zurück

Visuelles Erbe erhalten

16.10.2014

Trotz Vollwärmeschutz an der Fassade einer ehemaligen Arbeitersiedlung konnte das Wandgemälde mit PhotoVision-Technik bewahrt bleiben.

 

Dass ein Dämmsystem an einer Hausfassade den ursprünglichen Charakter eines Gebäudes sehr wohl erhalten kann, beweist eine Wohnhausanlage im Mostviertel. Ein Sgraffito wurde mit Hilfe der Fassaden-Technik PhotoVision von Synthesa reproduziert und somit sichtbar gehalten.

 

Die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der 2. Weltkrieg ist überwunden, der Wiederaufbau in vollem Gange. Optimismus und Aufbruch allerorten. Aus dieser Zeit stammt das Sgraffito vom Haager Künstler Willy Hengl auf der Fassade einer typischen Arbeiter-Wohnanlage in Mauer bei Amstetten. Darauf abgebildet ist eine volkstümliche Familienszene mit Landschaft, Apfelbaum, Sonne und einer Friedenstaube am linken oberen Bildrand. Die Botschaft ist klar: Hoffnung auf sonnige Zeiten in Wohlstand und Frieden.

 

Zudecken oder als Reproduktion bewahren?

Rund 60 Jahre später. Die anstehende thermisc­­­he Sanierung des mehrteiligen 3000 m² großen Gebäudekomplexes stellt den Bauherrn „Die Siedlung" vor eine schwierige Entscheidung: das Sgraffito unter dem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) verschwinden lassen oder eine Möglichkeit finden, das Wandbild zu erhalten? Hier hatte Synthesa Architektenberater Roland Miglbauer die zündende Idee: Warum nicht mit der innovativen PhotoVision-Technik arbeiten?

 

PhotoVision wurde vom Kirchdorfer Maler- und Lackierermeister Ewald Ploner zusammen mit dem oö. Farbenhersteller Synthesa entwickelt. „Die Technik eignet sich nicht nur perfekt zur Verwirklichung visueller Botschaften auf Wänden,  sondern ist auch das ideale Medium für die Reproduktion historischer Motive nach einer thermischen Sanierung", erklärt Roland Miglbauer. Mit dem vorher photographisch abgenommenen Bild lässt sich das Motiv auch auf der Oberfläche eines modernen WDVS originalgetreu reproduzieren.

 

„Die Herausforderung bei der Aufbringung des Bildes lag einerseits bei der auf dem Kopf stehenden U-Form und der Größe des Bildes, andererseits sollte die Reliefstruktur des Originals so gut wie möglich nachempfunden werden", erzählt der ausführende Maler Andreas Friedl aus Amstetten. Das wurde durch eine Spachtelung unterhalb des PhotoVision-Gewebes erreicht.  Das darunterliegende WDVS erfolgte mit Dalmatiner-Dämmplatten von Capatect.

 

Lange Tradition bei Kunst am Bau

Das direkt in den Außenputz der Hauswand gearbeitete Sgraffito (Schichtenkratzputz) hatte im Osten Österreichs eine lange Tradition als Baudekoration. Die ersten Wandbilder nach 1945 wurden fast ausnahmslos in Sgraffito-Technik gefertigt.

 

Perg, 15. Oktober 2014

Vor dem Gebäude befindet sich der Jupiter Dolichenus-Brunnen, der auf Funde aus der Römerzeit auf diesem Platz verweist.
Sgraffiti waren speziell in der Nachkriegszeit beliebte Gebäude-Dekorationen.