Terrassenhaus X: Die Wohn-Oase von Favoriten

- Terrassenbauweise wörtlich genommen: Aus den Sockelterrassen wachsen die Wohn-Solitäre heraus. Jede Wohneinheit hat wiederum eine eigene Terrasse oder Loggia oder sogar einen eigenen kleinen Garten
Die Terrassensiedlung ist eine der ältesten Siedlungsformen der Welt. Ursprünglich hatte sievielleicht den Zweck einer Wehrsiedlung. Wie beispielsweise bei den Pueblos der Hopi-Indianer Arizonas, bei denen zu Verteidigungszwecken die Leitern hochgezogen werdenkonnten. Heute dient die Terrassenbauweise dazu, aus einem kleinen Grundriss möglichstviel lebenswertes Wohnen mit möglichst viel Natur heraus zu holen. Einer der Wegbereiterdieser Philosophie war der Wiener Architekt Adolf Loos. Sein "Haus Scheu" in Wien-Hietzing1912 (das erste Terrassenhaus Mitteleuropas*), sowie seine Entwürfe für dasterrassenförmige "Wohnhaus der Stadt Wien" von 1920 oder das "Hotel Babylon" an der frz.Riviera von 1923 waren absolute Vorreiter der modernen Terrassenbauweise.
Ermöglicht wurde diese Bauweise in unseren Breiten eigentlich erst durch die Entwicklungneuer Materialien. Sie gestatteten die Ausführung der obersten Geschossdecke alsFlachdach und ermöglichen auch eine Begrünung von Dächern und Terrassen. Vorher wardiese Bauart ausschließlich den frostfreien Regionen der Erde vorbehalten. In den vergangenen Jahrzehnten eroberte sie auch unsere Breitengrade und brachte viel Grün in die Stadt. Das berühmte "Hundertwasserhaus" im 3. Wiener Gemeindebezirk ist nur eins von vielen Beispielen.
Möglichst viele Wohnungen mit Terrassenqualität mitten im urbanen Raum - das war auch der entscheidende Ansatz bei der Ausschreibung des Architekturwettbewerbs für die Verbauung der Tarbuk-Gründe im 10. Bezirk der Stadt Wien (Favoriten), den schließlich das Wiener Architektenbüro Lainer (www.lainer.at) unter der Führung von Univ.Prof. DI RüdigerLainer für sich entschied. Sein Projekt umfasst 249 geförderte Mietwohnungen, die nach 10 Jahren von den Mietern erworben werden können. Hier wurde die "Terrassenbauweise"wortwörtlich genommen: Jede der Wohnungen hat eine begrünbare Loggia, Veranda oderTerrasse. Auf den Dächern gibt es Gärten für Gemüsebeete und allgemein zugänglicheDachterrassen für gesellige Anlässe. Die Wohnungen im Erdgeschoss haben sogar eigene Patios. Das sind etwa 12 qm große Eigengärten mit einem Sichtschutz aus Kleinbäumen und Rankgewächsen. Das Grün ist überhaupt ein dominierendes Gestaltungsprinzip beim neuenTerrassenhaus X ("X" steht für 10.Bezirk). Sogar die lichtdurchfluteten Stiegenaufgängewerden von "vertikalen Gärten" durchzogen. Lainer hat diese Art der vertikalen Begrünung jaschon bei den "hängenden Gärten" von Margarethen in der Wiedner Hauptstraße praktiziert.
Das gesamte Ensemble zwischen Buchengasse, Gußriegelstaße und Zur Spinnerin bestehtaus einer ein- bis zweigeschossigen Sockelzone und den vier aus diesem Sockel herausgeformten Wohnsolitären. Sie sind deutlich vom Rand hereingerückt und gestatten viel Freiraum im ansonsten dicht verbauten 10. Bezirk. Ihre Linienführung folgt dem Lauf derSonne, ihr Äußeres ist durch Terrassierungen, Einschnitte und durch die vorragenden individuellen Terrassen vielfach gegliedert. Die Fassaden des Niedrigenergieobjekts sind mit einem Dämmsystem energieoptimiert und setzen mit kräftigen, lebensfrohen Farben einen starken Kontrapunkt zur gewohnten Großstadt-Atmosphäre. Als kompetenter Partner bei Fassadenprojekten dieser Größenordnung erwies sich die Synthesa Gruppe. Ein Großteil der Fassadenfläche wurde mit Capatect BasicLine-Dämmsystem ausgeführt. Auch bei der Fassadengestaltung waren die Qualitäten desgrößten österreichischen Farbenherstellers gefragt. Das Farbkonzept von FarbdesignerOskar Putz wurde mit einem Capatect Silikatputz der Synthesa Gruppe umgesetzt.
Bauträger waren die gemeinnützigen Wiener Genossenschaften "Heimbau & Eisenhof"(www.heimbau.at), Generalunternehmer die Strabag (www.strabag.at). Die Gesamtbaukosten der Wohnhausanlage betrugen 31,4 Millionen Euro. Die Stadt Wien förderte die Errichtung mit 10,5 Millionen Euro. Neben den 250 Miet- und Genossenschaftswohnungen sowie den Gemeinschaftsflächen beherbergt das Terrassenhaus noch ein Kindertagesheim der Stadt Wien. Dazu eine Tiefgarage mit 254 Stellplätzen. Baubeginn war April 2006, im vergangenen August erfolgte die Schlüsselübergabe. Nun warten schon alle gespannt auf das erste Grün. Denn geht es nach dem Willen der Planer, sind die Terrassen schon in einigen Jahren üppig mit Pflanzen bewachsen. Erst dann wird das Objekt tatsächlich zur "Wohn-Oase von Favoriten".
